Archive for Januar, 2012

Das Lächeln der Lux auf ungewissem Spielfeld

LUX feat. Reentko CD “Playground”

Auf dem Cover ihres neuesten Albums “Playground” hockt Christina Lux im grünen Gras, schaut sinnend in die Ferne und lächelt. Am Himmel schimmert Blaues durch Wolkenschleier. Eine nette Spielwiese (”playground”) hat sie sich da ausgesucht, mitten in der Natur - zum Hinlegen und Dösen allerdings weniger geeignet: Die Halme werden in der Nase kitzeln, vielleicht verbirgt das Grüne einen Kuhfladen, es könnte Regen geben. Nicht jede Spielwiese bietet pure Freude, nicht jeder Sandkasten ist frei von Hundekot. Aber genau so ist das Leben, und Christina Lux lächelt, weil sie es kennt: “Immer dann, wenn Dinge oder Menschen sich verabschieden, haben wir die Chance, unser Leben neu zu sehen und unseren Spielplatz zu entdecken. Immer wieder neu. Das braucht manchmal Mut, aber am Ende ist es etwas Großartiges”, sagt sie. Diese (Lebens-)Erfahrungen brauchen nicht nur Mut - sie machen auch Mut. Weil wir daran wachsen können.
Presse Playground Cover

Ihre Erkenntnisse hat Lux auf ihrem “Spielfeld” - ihrem siebenten Album - versammelt. Und herausgekommen ist auch musisch etwas Großartiges. Die wahre Größe zeigt sich meistens ohne großes Geschrei und ohne viel Radau. Authentizität will wahrgenommen werden. Intensität wirkt dichter, je weniger drum herum passiert. Folgerichtig ist es ein sanftes Album geworden. Es hätte sogar noch weniger Studio-Finesse gut vertragen. Gitarrist und Perkussionist Reentko ist auch nicht auf umfangreiche Technik angewiesen. Ich stelle mir vor, das Album klänge so minimalistisch wie Bruce Springsteens “Nebraska”. Zubehör: mitten auf dem “Playground” nichts als Gras und Gitarre. Das würde des Zuhörers Aufmerksamkeit anziehen wie ein lang ersehnter Liebesbrief. So machen sich freilich manche Stücke - im Reigen nacheinander gehört - hinter den eigenen schläfrigen Wimpernvorhang aus dem Staube. Na ja, immerhin versüßt das Lächeln der Lux die Träume. In den Texten steckt viel Poesie - jede Menge Nachdenken und noch mehr Gefühl. Und sogar deutsche Texte! Die treffen live vermutlich direkt, die englischen Sätze werden es ein wenig schwerer haben. “Die Ungewissheit bleibt, so wird es immer sein”, singt Christina Lux in “Es ist gut so”.

Wie sie beim Publikum ankommen wird, das wird sich zeigen:
Samstag, 4. Februar, 20 Uhr in der Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen.

LUX feat. Reentko CD “Playground”
© 2012 Prudence
Songliste: 1. Forget you 3:36 | 2. Playground 2:44 | 3. Es ist gut so 3:15 | 4. May I ask you 3:08 | 5. Close to the tide 4:16 | 6. Paper Airplane 3:49 |
7. Embrace 3:38 | 8. Sanctuary 4:18 | 9. War torn 3:19 | 10. Vergehen 2:32 | 11. Defenses 3:35 | 12. Head held high 3:44 | 13. Longing 3:59 |
14. Mothersong 3:04
Spieldauer: 50 Minuten
Gastmusiker Mohi Buschendorf (Bass), Stephan Braun (Cello) und Stephan Emig (Drums)
www.christinalux.de www.reentko.com
Cover-Foto: Thorsten Wingenfelder

Die Wahrheit muss raus!

Axel Pätz - Die Ganze Wahrheit

Wie viel Wahrheit ist zu ertragen? Axel Pätz, der norddeutsche “Tastenkabarettist” (Pätz), teilt das Wissen um die Wahrheit auf: Wahrheit light, classic oder premium. Das Publikum in der Katt qualifizierte sich durch den Zuruf richtiger Antonyme auf Adjektive wie “hoch” und “weit” für die ungeteilte brutale Premium-Wahrheit. Wobei anzumerken ist: Pätz scheint sie zu kennen, die ganze ungeschminkte Wahrheit. Ein Alles-Wisser? Oder vielleicht aucapz dgw fotokgz1-kleinh nur ein Besser-Wisser?
Das spielte in seinem Programm “Die Ganze Wahrheit” freilich nur eine untergeordnete Bedeutung. Um alles zu (er)klären reicht eh die Zeit nicht. Also beschränkt er sich - auf unser alltägliches (Er)Leben. Er spricht und singt und grinst und mimt und erläutert erbarmungslos hintergründige Weisheiten über Geburtstrauma, Alters-Demenz, Ikea-Shopping, Bio-Läden, Krabben-Brötchen, familiäre Kommunikation in Google-Zeiten, zivilen Ungehorsam und die Etikette des Umarmens. Sein Credo: “Die Wahrheit muss raus!” Und wenn diese Wahrheiten jemand verinnerlicht hat und trotzdem noch am Leben ist, dann ist er ein Held. Das Publikum wurde so zum kollektiven Helden. Ein Held zu sein - das ist natürlich ein schönes Gefühl. Es macht das Leben ein wenig leichter angesichts der Verhältnisse, in denen wir unser Dasein fristen.

Rabenschwarzer Humor

Pätz läutete das Zeitalter der “Hypo-Real-Ästheten” und der selbst ernannten Bestatter ein, die die eigenen Säuglinge in der Tiefkühltruhe entsorgen. Alles grandios verpackt. Im Schuhplattler-Lied “Baby on the Rocks” bekommt der Ausdruck “Konserv(e)-atorium” eine ganz andere Bedeutung. Es erinnerte in Text und erbarmungsloser Komik an Georg Kreislers Klassiker “Geh mer Tauben vergiften im Park”. Dadurch, dass Pätz die Wahrheiten über die heldischen Zeitgenossen in der Kreditanstalt und vor der Kühltruhe unter ein Thema stellte, hielt er allen den satirischen Spiegel vor: Von wegen, schuld seien immer nur die anderen. In der weiten Bandbreite zwischen abgesahntem Gewinn und fassungslosem Grauen konnte sich jeder irgendwo wiederfinden. Mit Pätz’ rabenschwarzem Humor fiel es allerdings leichter.
Der Kabarettist empfahl Hundekot als “Neurodermitis-Prophylaxe”, banalisierte seine “tüdelige” Mutter zum Gespött der Leute und riet: “Bringen Sie doch mal einfach jemand um!” Angesichts derlei Weisheiten mischte sich zum Lachen schon mal ein Würgen in der Kehle - solche Helden wollen wir natürlich nicht sein. Zum trotzigen Trost möbelte er anschließend sein Publikum in der stürmisch geforderten Zugabe wieder auf: “Morgen gründen wir ‘ne Bank.” Das Publikum freute sich diebisch darüber - und lief blindlings in die Pätz-Falle. So viel besser wie die anderen sind wir vermutlich gar nicht: Und das ist Pätz’ “Ganze Wahrheit”.
Foto: Thomas Häntzschel, Rostock
Auftritt: Wermelskirchen, Kattwinkelsche Fabrik, Freitag, 13. Januar
www.axelpaetz.de

Rätselhafte Reise ins Turtleland

Phishbacher - Journey to Turtleland

Rätsel sind angesagt bei diesem Album “Journey to Turtleland” von Phishbacher. Um den Namen der Band zu verstehen, muss er gehört werden. Dann klingt’s wie “Fischbacher” - und genau so heißt er auch, der Jazz-Pianist und Bandgründer Walter Fischbacher. Geboren in Österreich, lebt er nach seinem abgeschlossenen Studium - Klassisches Piano, Komposition und Jazz-Piano - seit 1994 in New York. Dort hat er in der Szene einen klangvollen Namen. Bei uns gibt’s noch Entwicklungsmöglichkeiten.
Cover Journey to Turtleland
Ein Österreicher, der mit dem Keyboard im Jazz Furore macht - das hatten wir doch schon mal. Richtig: Joe Zawinul, Tastenmann bei Weather Report und Komponist solcher Dauerbrenner wie “Mercy, Mercy, Mercy” und “Birdland”. Sehr oft stellt sich der weltweite Erfolg ein, kommt der Künstler mit seinem Werk um die richtige Ecke. Diese Ecke scheint Walter Fischbacher noch zu suchen. An der technischen musikalischen Finesse seines neuesten Albums “Journey to Turtleland” wird es wohl nicht liegen. Dafür ist es einfach zu gut gemacht.

Zusammen mit Goran Vujic (bass) und Ulf Stricker (drums) liefert Fischbacher mit europäischer Gründlichkeit ein Fusion-Album ab, das Herz und Sinn gleichermaßen entzückt. Auf Track Drei, “Media Luna”, verstärken Pete McCann (guit) und Max Klaas (perc) die atmosphärische Dichte, im neunten Stück, “Froggy Style”, ist der Gitarrist Axel Fischbacher - die beiden Fischbachers sind nicht miteinander verwandt - zu hören. Alles in allem leben alle elf Stücke vom dynamisch-treibenden Spiel der tiefen Töne - Bass und Keyboard in gleichem Maße. Vom Bassisten Goran Vujic stammt auch sinnigerweise das Stück “Bass Killer”, die anderen hat Walter Fischbacher geschrieben. Sein Keyboard-Spiel hat von jedem etwas, ohne im Einerlei zu versinken. Wunderschöne, beinahe lyrische Sequenzen wechseln sich zum abgezirkelten Zeitpunkt mit filigran-virtuosem Gedudel ab - die Band geht mit, und heraus kommt Musik zum Zuhören, zum Mitgehen, zum intellektuellen, verständnisreichen Kopfnicken, zum biegsamen Lächeln. Dabei gibt der Bass weitreichend den Rhythmus an, Drummer Stricker liefert dazu die notwendigen und markanten Akzente.

Zu allem mundet der samtige Rotwein genau so wie das herbe, allerdings gepflegte Pils. Wie bei den Getränken, schmeckt auch dieses Album am besten, wird es mit Aufmerksamkeit genossen. Sonst kann es zum Mysterium werden.
Schwieriger als die Bedeutung des Bandnamens gestaltet sich die Lösung des Rätsels, das im kryptischen Titel “Reise ins Schildkrötenland” (deutsch) verborgen ist. “Turtleland” ist doch hoffentlich nicht eine mickrige Insel im “Birdland”? Noch schleierhafter ist das Cover: Irgendwer beamt ein Mädel in die Lüfte, und der Hund, dieser Köter, schaut einfach nur zu.
Hoffen wir, dass diese Rätsel zu einem guten Omen führen - dann findet sich ja vielleicht noch die richtige Ecke für ganz großes Glanz und Gloria.

Phishbacher - Journey to Turtleland

Walter Fischbacher (keys) - Goran Vujic (bass) - Ulf Stricker (drums)
feat: Pete McCann, guit (track 3) - Max Klaas, perc (track 3) - Axel Fischbacher, guit (track 9)
Titel:
1. Kyrillian Predator 2:45 - 2. Single B 6:03 - 3. Media Luna 5:59 - 4. Turtleland 6:55 - 5. Lulu’s Revenge 8:48 - 6. Almost Number One 6:08 - 7. Undo This! 7:50 - 8. Bass Killer 8:29 - 9. Froggy Style 5:21 - 10. Timeless 7:24 - 11. EZ Breezie 8:37

www.walterfischbacher.com - www.popup-records.de - www.in-akustik.de

Neuartiges Servicebuch für die Wirtschaft präsentiert das Bergische Städtedreieck

Welche Highlights hat die Wirtschaftsregion Wuppertal-Solingen-Remscheid zu bieten?

Ein neuartiges “Servicebuch für die Wirtschaft” gibt Auskunft. Es liefert auf 200 Seiten detaillierte Informationen über die wirtschaftlichen, kulturellen und landschaftlichen Attrbergisches stadtdreieck grossaktionen des Bergischen Städtedreiecks.

Mit umfangreichen Infos und Kontaktdaten - Adressen, Telefonnummern und Websites - wichtiger Ansprechpartner und Institutionen bietet dieses Servicebuch ein wichtiges Nachschlagewerk für die Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen, für die Suche nach einem neuen Unternehmens-Standort sowie nach einem geeigneten, attraktiven Arbeitsplatz.

Aber auch gestandene Bergische und “Dahergelopene” dürften viele Tipps schätzen und neue Gesichtspunkte und Perspektiven gewahr werden.

Das Buch ist entstanden unter der Federführung des Verlages Kommunikation & Wirtschaft; Projektpartner ist die Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid.

Der Verlag schreibt: “Die informativen Texte stammen allesamt aus der Feder der drei erfahrenen und kompetenten Journalisten Stefanie Bona, Bernd Geisler und Valeska von Dolega, die selbst in der Region leben. In mehr als 20 Einzelbeiträgen liefern sie einen kompakten Überblick über die Stärken und wirtschaftlichen Potenziale des Bergischen Städtedreiecks, informieren über seine kulturelle Vielfalt und veranschaulichen auf charmante Art und Weise, was das Bergische Städtedreieck und die hier lebenden Menschen so besonders macht.”

Das Servicebuch ist zweisprachig (deutsch/englisch) gehalten und verfügt über umfangreiche Illustrationen.

Buchbestellung bei:

Verlag Kommunikation & Wirtschaft GmbH
Verlagsbereich Regionalmedien
Baumschulenweg 28
26127 Oldenburg
Fon: 0441 9353-138
info@kuw.de

Bergisches Gitarrenfestival 2012 - von Bach bis BeatBox

Das Bergische Gitarrenfestival in der Akademie Remscheid verbindet musikalische Welten. Klassik, Neue Musik, Pop und Rock sowie Jazz bauen Brücken zueinander bei Musikern und Zuhörern.

Rund 30 Gitarren erklangen zum Abschluss des Bergischen Gitarrenfestivals. Da zupfte die ganz junge Gitarristin neben dem alten Dozentenhasen und der klassische Saitenzupfer zusammen mit dem rockigen Saitenquäler die Ensemble-Version eines amerikanischen Traditionals. Vorne dirigierte der musikalische Leiter des Festivals, PICT6433-kleinProfessor Dieter Kreidler. Er hatte wie immer alles im lockeren Griff und lieferte mit seinem Ensemble traditionell DEN emotionalen Höhepunkt dieser Seminarwoche.

Kreative Atmosphäre

Musik verbindet. Diese Sprache versteht jeder. Sie bildet das Fundament der äußerst kreativen Atmosphäre, die zwischen Teilnehmer und (Gast-)Dozenten herrscht. Berührungsangst? Nicht vorhanden. Der progressive Jazzer widmet sich dem blutigen Anfänger mit der gleichen Intensität wie der Musikprofessor seinem Meisterschüler. Nur so sind die Höchstleistungen zu erklären, wie sie während der einzelnen Konzerte geboten wurden. Bereits die Talentshow mit sechs jungen Preisträgern renommierter Wettbewerbe zeigte sowohl im Klassik- als auch im Jazz- und Rock-Bereich bemerkenswert und über alle Maßen vielversprechend, was wir in Zukunft vom Gitarrenspiel erwarten können.

Sensationelle Guitar Night

Keine Frage, dass die Dozenten in der Guitar Night “Sensationelles” (Professor Alfred Eickholt) lieferten. Professor Gerhard Reichenbach, das Remscheider Ensemble Saitenwind, der Konzertgitarrist Goran Krivokapic sowie das Duo Sabine Kühlich (Gesang, Saxofon) und “Mr.Groove” Adam Rafferty (Gitarre) boten für Sinn und Seele gleichermaßen grandiose kreative und virtuose Kost. Bach wurde bei Reichenbach zur sinnlichen Erfahrung, Saitenwind lieferte anschließend die coolen intellektuellen Schauer, Krivokapic entfachte mit Werthmüllers “Variationen” heimliche Atemlosigkeit, und Kühlich und Rafferty rissen die Leute mit Jazz-Gesang, Saxofon und One-Man-Band-Show inklusive BeatBoxen buchstäblich von den Stühlen.

Im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei.