Archive for Februar, 2009

Frank Zappa’s Jukebox - The Songs That inspired The Man

Musik durch die Hintertür

Zappa's JukeboxWas beeinflusst einen kreativen Musiker? Alles! In besonderem Maße vielleicht je nach Biografie die Mutter, die Partnerin, die Schwiegermutter, die Oma, die Freundin(nen) und Freunde, die Schule. Und - nicht zu vergessen - die konsumierte Musik. Und zwar jeder Ton, jede Sequenz, jeder Rhythmus, wenn nicht sogar jedes Geräusch, das seinen Weg durch die Hintertür des Unbewussten in das Gedächtnis-Netz der grauen Zellen gefunden hat.

Unter diesem Aspekt ist das Album „Frank Zappa’s Jukebox“ mit dem Untertitel „The Songs That inspired The Man“ ein verwegenes Unternehmen. Es enthält 26 Original-Stücke, die Zappa inspiriert haben sollen. So behauptet es der Musikhistoriker Derek Barker im beiliegenden Booklet. Nur 26 Werke, in 30 Jahren und auf 57 Alben? Natürlich nicht, jeder halbwegs erfahrene Oldie-Gitarrist kennt mehr Melodien, die ihre Spuren in ihm hinterlassen haben. Die Auswahl Barkers kann nur subjektiv sein. Aber das stört nicht, es ist eine gute Auswahl. Nicht willkürlich aus der Luft gegriffen, sondern alles schön mit kleinen Geschichten authentisch erklärt und erzählt. Ein paar sehr bekannte Namen dürfen natürlich nicht fehlen. Aber wen haben Richard Berry („Louie Louie“), Muddy Waters, Johnny “Guitar” Watson und Little Richard eigentlich nicht beeinflusst?

Derek Barker lässt Zappa selbst zu Wort kommen. Er zitiert aus vielen Interviews, die dieser Ausnahmekünstler gegeben hat. Zum Beispiel spielte Zappa 1982 als DJ-Gast zwei Stücke im BBC Radio: Howlin’ Wolf‘ „Asked For Water“ und The Channels „The Closer You Are“. Ein Blues und ein typischer „Doo-Wop“-Song. Warum diese Stücke Zappa gefielen, ist nur zu vermuten. Warum fährt man ab auf schmalzige Beatles-Songs, aber nicht auf „Ein Bett im Kornfeld“? Vielleicht liegt’s ja doch an der Schwiegermutter. Jedenfalls erscheint, so steht’s im Booklet, „The Closer You Are“ in einer Cover-Version auf Zappas „Them Or Us“ und später noch in einer Live-Version auf „You Can’t Do That On Stage Anymore. Vol. 4”. Interessant und spannend. Es macht Spaß, die alten Sachen zu hören und gleichzeitig zu lesen, warum gerade sie auf diesem Album erscheinen.

Unter den Vinyl-Schätzchen der CD - so klingen sie jedenfalls - findet sich auch Musik von Edgar Varese, Anton Webern und Igor Strawinski. Wen wundert’s, „ernste“ Musik schafft sich überall Eingang, sogar bei solchen Gitarreros wie Yngwie Malmsteen oder Steve Vai. Da wäre es schon ein Mysterium, würde Frank Zappa eine Ausnahme machen. Dazu passt der Jazzer Eric Allan Dolphy wie die Kirsche auf die Schwarzwälder-Torte.

Bleibt zu hoffen, dass jeder beim Hören dieses Albums auf den Geschmack kommt und nicht nur Musiker und Hard-Core-Zappa-Fans. Dem eigenen Horizont kann’s nur gut tun. Und das ist immer zu empfehlen.

Diese Rezension erschien auch auf Frank Beckers Musenblättern unter Die Kirsche auf der Schwarzwälder Torte

Frank Zappa’s Jukebox

Label: Chrome Dreams

Titel:
1. The Robins Riot In Cell Block No. 9 3:02
2. Richard Berry Louie Louie 2:11
3. Hank Ballard and the Midnighters Work With Me Annie 2:45
4. Edgard Varèse Ionisation 5:35
5. Lightnin’ Slim My Starter Won’t Work 2:51
6. Clarence “Gatemouth” Brown Okie Dokie Stomp 2:31
7. Don & Dewey Leavin’ It All Up To You 2:15
8. Howlin’ Wolf Asked For Water (She Gave Me Gasoline) 2:51
9. The Channels The Closer You Are 3:04
10. The Clovers Your Cash Ain’t Nothing But Trash 2:56
11. Muddy Waters Louisiana Blues 2:54
12. Cecil Taylor Song 5:21
13. Andre Williams Bacon Fat 3:6
14. The Chips Rubber Biscuit 2:07
15. Anton Webern Bagatelle (opus 9) 1:32
16. Anton Webern Symphony (opus 21) 2:32
17. Four Deuces W-P-L-J 2:46
18. The Turbans No No Cherry 2:35
19. Eric Dolphy Out There 6:56
20. Guitar Slim The Story Of My Life 3:01
21. Johnny “Guitar” Watson Three Hours Past Midnight 3:23
22. Little Richard Directly From My Heart 2:55
23. The Cadets Stranded In The Jungle 3:05
24. Igor Stravinsky Rite Of Spring 1:35
25. Igor Stravinsky Rite Of Spring 1:14
26. Tony Allen Nite Owl 2:45

Gesamtlänge circa 78 Minuten.

Alle Rechte bei Chrome Dreams.

www.chromedreams.co.uk

Ulli Bögershausen - Crimson

Der Charme des Stahls

Crimson CDIch hasse Konzept-Alben. Das Konzept-Korsett lässt nur zu oft Kunst zu Krampf verkommen. Ulli Bögershausens letzte CD „Crimson“ - soeben hat er die DVD „My Choice“ veröffentlicht - beginnt mit „Overture“ und endet mit „Outro“. Dazwischen ein „Konzept“?

Mir ahnte beim Aufklappen der CD nichts Gutes, zumal Bögershausen zum ersten Stück schreibt: „An album is more than a collection of songs. It needs a conclusive concept, a beginning and an end.“ An Anfang und Ende hat er sich gehalten. “Outro” ergänzt “Overture” wie der rechte Schuh den linken. Kurzes Stück, der gleiche Anschlag, eine ähnlich schöne Melodie, dieselbe ruhige Atmosphäre, derselbe magische Zauber wundersam verwobener Stahlsaiten. Die anderen 10 Songs dazu in eine Konzept-Beziehung zu setzen, gelingt nur mit waghalsigen, da konstruierten Hirnwindungsverrenkungen. Also lassen wir es lieber. Hier hat „Konzept“ Gott sei Dank nichts mit „Korsett“ zu tun. Wenn es auf „Crimson“ (Purpur-Rot) neben Anfangs- und Endstück (wie beim Christstollen: Welches schmeckt besser?) überhaupt so etwas wie ein Konzept gibt, dann ist es die kontemplative, in sich gekehrte Stimmung, die Ulli Bögershausen über die Stücke ausbreitet wie ein Albatros die Schwingen über seine Jungen im Nest.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, so, wie der Gitarrist hier seine Akzente setzt, ihm die Lieder ans Herz gewachsen sind. Das gilt ebenso für alle Cover-Stücke, besonders aber für „Manha do Carnaval“ und „Hit the Road Jack“. Schlicht, einfach und damit wunderbar. Bögershausen beherrscht die Kunst, aus simplen, ohrgängigen Tonfolgen Unerhörtes herauszuholen. Seine Spielweise verführt den neugierigen Hörer zu Entdeckungsreisen fernab ausgetretener Pfade. Er setzt seine Finger auch bei schnellen, dazwischen geschobenen Läufen zielsicher und akkurat auf die Saiten und gibt mit der rechten Hand den Tönen den richtigen Dreh, sich zitternd davonzumachen wie Seifenblasen in der Frühlingsluft. Prägnant wie frühmorgendliche Sonnenstrahlen erstrahlen sie in neuem Licht und lassen vergessen, dass hier Fleisch und Blut am Werke sind.

Bögershausen nimmt sich Zeit für jede Note, er kann es sich leisten. Seine Töne berühren. Die Stahlsaiten tun ihr Übriges. Jeder Hammer-On und Pull-Off klingt doppelt prägnant; jedes Vibrato verflüchtigt sich erst nach längerem Verweilen: Der Charme des blanken Stahls wird nicht nur hörbar, er blitzt und bleibt. Und das ist jetzt doch ein Konzept.

Diese Rezension erschien auch auf Frank Beckers Musenblätter unter Der Charme des Stahls

Ulli Bögershausen - Crimson

Ulli Bögershausen Steelstring Gitarre

Label: Laika-Records

Titel:
01 Overture (Ulli Bögershausen) 1:53
02 Percussive Groove (Ulli Bögershausen) 3:47
03 Mistral (Reinhold Westerheide) 3:01
04 Manha do Carnaval (Louis Bonfa) 3:50
05 Llado’s House (Ulli Bögershausen) 4:17
06 Both Sides Now (Joni Mitchell) 3:57
07 Lakewood Song (Ulli Bögershausen) 3:27
08 Bernas (Ulli Bögershausen) 4:03
09 Waltz (Ulli Bögershausen) 3:00
10 Hit the Road Jack (Percy Mayfield) 3:09
11 Time after Time (Cindy Lauper) 3:45
12 Outro (Ulli Bögershausen) 2:17

Gesamtlänge 40:26 Minuten
Produzent: Peter Cronemeyer
Album Fotos und Design: Manfred Pollert

www.boegershausen.com