Appetit auf Live
Seit 1996 macht Iris Panknin Musik. Jetzt hat die Band ihren ersten (!) Longplayer veröffentlicht. Ist es Mut oder Verzweiflung? Mut brauchte die Sängerin und ihre vier Mitstreiter sicherlich nicht dafür, eine CD zu veröffentlichen. Sie sind zu gut. Verzweiflung? Auch nicht, das wäre - gerade bei einem Live-Album mit langen Improvisationen - zu hören. „Wir sind eine Live-Band“, erklärte dazu Uwe Sandfort. „Die jetzige Besetzung spielt seit 2006 zusammen. Da wurde es Zeit, einige Stücke auf einer Live-CD zu veröffentlichen.“
Die Iris Panknin Band spielt Cover-Versionen. Natürlich nicht eins-zu-eins. Dass das simple Nachspielen eines Stückes diese fabelhaften Musiker nicht erfüllt, versteht sich von selbst. Sie drehen die Originale durch ihre eigene Mühle. Heraus kommt jazzig Hinreißendes, durchsetzt mit zartem Funk und beinahe beschwörender Barstimme. Sehr schönes Beispiel das „Use Me“ von Bill Withers. Während das Original durch einen markanten Rhythmus geprägt wird, kommt es auf dieser CD locker-flockig, funkig und beschwingt wie auf Engelsflügeln daher.
Und damit’s nicht zu seidig einheimelnd wird, hat Gitarrist Uwe Sandfort ja noch seinen Röhrensound in petto. Der ist allerdings für mich gewöhnungsbedürftig. Diesen Sound erzeuge der übersteuerte Kanal eines Mesa-Boogie-Verstärkers, verriet Sandfort. Da hören wir’s mal wieder: Sounds sind Geschmacksache. Vielleicht braucht Sandfort diesen Sound für das Sustain seiner Töne, vielleicht auch nur für die Lautstärke; jedenfalls rotzt für meine Ohren der verzerrte Klang (nicht das Spiel!) zwischen Stimme, Bass, Klavier und Schlagzeug umher wie ein ohne Kupplung betätigter Hebel eines Schaltgetriebes. So klingt leider der gut gespielte Blues „I Smell Trouble“ im Gegensatz zu Jonny Winters Version (1984) so, als könne sich die Band nicht zwischen Jazz und (Texas-)Blues entscheiden. Bei einer Band, die nahezu alles spielen kann, muss es vielleicht auch nicht so klingen, als habe die Band den Blues mit der Muttermilch der Südstaaten der USA aufgesogen. Gleichwohl: Schön wär’s ja.
Eine Offenbarung ist dagegen die Version der Band von Willie Dixons „Wang Dang Doodle“. Da zeigen die Musikanten nicht nur, was in ihnen steckt, sondern auch, was im Stück verborgen ist. Die Musiker nehmen sich zurück, Udo Kehlert streichelt sogar die Trommelfelle mit den Besen, Burkhard Heßler greift dezent, aber flink in die Orgeltasten, und heraus kommt eine auf die pure musikalische Qualität dieses Stückes eingedampfte Fassung, die wie ein mehrfach reduzierter Fond im Kochtopf aus purem Geschmack besteht. Macht Appetit auf mehr. Macht Appetit auf Iris Pankin Band - Live auf der Bühne.
Diese Rezension erschien auch auf Frank Beckers Musenblätter unter Appetit auf Live
Iris Panknin Band … Live
Matthias Bangert Bass, Kontrabass
Iris Panknin Gesang
Uwe Sandfort Gitarre
Udo Kehlert Drums
Burkhard Heßler Piano, Keyboards
Label: Iris Pankning Band
Produktion: Iris Pankning Band
Titel:
1. Use Me (Bill Withers) 5:09
2. Inner City Blues (Marvin Gaye) 6:59
3. Just the Two of Us (Bill Withers) 4:36
4. I Smell Trouble (Don Robey) 9:29
5. Wang Dang Doodle (Willie Dixon) 13:17
Gesamtzeit: 39:30
Album Fotos: Bastian Haumann