“Jan starrte auf die Anzeige des Fahrstuhls wie ein hüftlahmer Torero auf den anrasenden Stier. Was sollte er jetzt tun?”
Download hier (mp3, 7,2 MB, 15:42 Min.): ergo sum - Der Roman - Folge 12
Text trifft Tiefe
“Jan starrte auf die Anzeige des Fahrstuhls wie ein hüftlahmer Torero auf den anrasenden Stier. Was sollte er jetzt tun?”
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Dieses Album dient ebensowenig dem musikalischen Stimmungswechsel, wie “Humbta, Humbta, Täterä” einen Selbstmordattentäter bewegen kann, den Sprengstoffgürtel abzuschnallen und Gänseblümchen zu pflücken. Aber mit dieser Musik in den Ohren würde sich der Pflücker neben die Gänseblümchen ins Gras pflanzen und mit göttlicher Gleichmut das Leben im Hier und Jetzt genießen.
Mehr über diesen Mainstream der feinen Art hier: www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=1778
Cover-Foto: Gene Martin
“Dr. Kurt Fuchs betrat die Empfangshalle des Klinikums und wurde wie immer von sich selbst überwältigt. Es war sein Reich, und er war der Boss, und manchmal glaubte er, wie Gott zu sein, der Herr über Gut und Böse und der Herr über Leben und Tod. Doch diesmal überlagerte noch ein anderes Gefühl sein Sonnengeflecht. Wie ein mahlender Bandwurm im Darm stieg eine dunkle Vorahnung aus den Tiefen seines Unterleibs in ihm empor.”
Download hier (mp3, 7 MB, 15:14 Min.): ergo sum - Der Roman - Folge 11
“Jan drehte die Nachtschwester auf den Rücken. Scheiße, dachte er.”
Download hier (mp3, 9,7 MB, 22:35 Min.): ergo sum - Der Roman - Folge 10
Neujahrspläne
von Bernd Geisler
Es war genau vor einem Jahr,
Silvester, kurz nach Mitternacht,
er schlenderte vom Pissoir
und hatte sich was ausgedacht.
Den Kopf voll Alkohol,
die Blase gähnend leer,
im Bauch rumorte Blumenkohl.
Es geht nicht mehr,
dass er so weitermache,
schwor er heimlich sich, sah seine Frau,
und macht’ es sich zur Herzenssache,
- erblickte nebenbei den Kabeljau -
und dachte nur, du armer Fisch,
jetzt liegst du hier für uns zur Speise
aufgeschnitten auf dem Tisch,
zu Ende ist die Reise
für dich, jedoch noch nicht für mich!
Ich will in Zukunft leben ohne Reue,
ich werd’ ab jetzt allwöchentlich
- scheiss was auf die Ehetreue -
mit Mädels und Champagner pur
das Leben und die Lust genießen;
ich bin doch eine Frohnatur.
Wer will es mir verdrießen?
Die Ehefrau, die Herzensgute,
die jahrelang und ohne viel zu klagen
mit süßer, sanfter Zuckerschnute
es schaffte, alles zu ertragen,
verspürte seinen harten Blick, gedachte voller Wehmut
der ersten schönen Jahre ihrer Ehe,
als beide Hand in Hand und mit viel Demut
zusammen manche Knoblauchzehe
mit Tomaten, Salz und Öl in trauter Zweisamkeit
zu einem leck’ren Essen brieten.
Jetzt gab es meistens Zank und Streit,
man las sich die Leviten
und ging ansonsten seine Wege.
Schade, dachte sie, doch Alter, nicht nur du willst leben,
aus ist’s mit deiner Denkmalpflege,
ich will nicht ewig an dir kleben.
Und so beschloss sie ohne zu verzagen,
dass im neuen Jahr wirklich ALLES anders werde,
zwei Fliegen wollte sie mit einer Klappe schlagen,
der Alte musste weg, hinab in Muttererde.
Durch die Versicherung der Allianz
würde sie ein hübches Sümmchen haben.
Wofür war sie sonst gut, die Assek’ranz?
Sie würde diesen Hund begraben,
und wusst’ auch schon, dass mit des Giftes Mittel
sein Leben bald zu Ende sei,
was nützte ihm sein Bäckermeistertitel,
es gab so manche wirkungsvolle Arzenei.
Und wirklich, schon nach einem knappen halben Jahr
stand man in der Grabkapelle.
Es goss, und draußen drohte Rutschgefahr.
Es kam so wie es kommen musste, die Bodenwelle
war im Wege, als mit viel Pomp am Morgen
den Sarg mit Bäckermeisters Leiche
festlich wollte man entsorgen,
jedoch die Wurzel einer Eiche
ließ die Witwe ganz in schwarz und mit ‘nem Schleier
kopfüber in das off’ne Grab verschwinden.
So wurd’s auch ihre Abschiedsfeier,
da der Sarg, sich ohne viel zu winden,
ihr hinterher und auf sie schlug,
so dass, zu feuchtem Brei mutiert,
sie seufzte ihren letzten Atemzug:
Manchmal läuft es wie geschmiert.
So sind beide friedlich jetzt vereint
wie einst vor dem Traualtar,
der Tod hat es nur gut gemeint,
vielleicht war’s doch noch abwendbar,
hätten ihre guten Neujahrspläne
zusammen sie gefasst,
vermieden wäre manche Träne,
geteilt so manche schwere Last.
Und beide Hand in Hand wie einst geschworen
hätten Freud und Leid getragen,
sie wär’n als Paar niemals verloren,
wären niemals fehlgeschlagen:
ein Vorbild stolz für ihre Kinder
und auch für an’dre, das ist klar,
das sieht mit Krückstock jeder Blinder.
Also dann: Frohes, neues Jahr!