Das Charlotte Ortmann Trio bot einen zauberhaften Auftakt seiner “Ride On” - Release-Tour im Rotationstheater in Remscheid-Lennep.
Jeder weiß: Die Zauberflöte ist von Mozart und nicht von Charlotte Ortmann. Aber am Freitagabend im Rotationstheater lag sie buchstäblich an den Lippen der 27-jährigen Künstlerin. Zum Auftakt der CD-Realease-Tour “Ride On” legte das Charlotte Ortmann-Trio eine fantastische Live-Präsentation des brandneuen Silberlings auf die Bühne. Die rund 40 Zuhörer reagierten begeistert. Für alle Musiker - Charlotte Ortmann (Flöten), Caspar van Meel (Kontrabass, Ebass), Dominic Brosowski (Schlagzeug) und zusätzlich stückeweise der Saxofonist Dirk Grezius - gab es Szenenapplaus. Das gesamte zweistündige Konzert hing nicht ein einziges Mal durch, alle Stücke lieferten eine respektable Bandbreite und bildeten doch die spezielle Charakteristik eines Charlotte-Ortmann-Sounds. Von hohem Wiedererkennungswert, versteht sich.
Alle Stücke von der Chefin
Darin war alles vorhanden: vom Funky-Start mit rockiger Attitüde über getragener, fast schmachtender Melodie mit gestrichenem Kontrabass hin zu wüst ausuferndem Improvisations-Gedresche. Rhythmen auf den Flügeln spannender Synkopen und sanft fächelnder Regelmäßigkeit gingen dem Publikum in die Beine und ins Gemüt. Alle Stücke hatte die Chefin geschrieben. Charlotte Ortmann moderierte sie im sympathischen Plauderton. Ihre Flötentöne gingen ins Ohr wie ein krabbelnder Tausendfüßler - mit Gänsehautfeeling. Bei vielen Stücken lieferten Bass und Schlagzeug den fundierten Teppich, auf dem sich zunächst das Thema und dann die Soli austoben konnten. Spannung lag in der Luft, wenn Saxofon und Flöte zum Duell antraten und sich zuweilen eine Pause mit blitzenden Unisono-Passagen gönnten. Die Arrangements waren so abgestimmt, dass Bass und Schlagzeug in einer Reihe mit Flöte und Saxofon standen.
Traumhaftes Schlagzeugsolo
Dominic Brosowski lieferte dazu seinen unverwechselbaren Anstrich. Sein Solo - bereits im zweiten Stück - war ein Erlebnis für sich: Beginn mit gedrücktem, zart-rauschenden Wirbel auf der Snaredrum, leise schleichend, irgendwie heimtückisch wie eine hungrige Löwin im Gras. Dann mehr Trommeln und Becken, es wird lauter, schwellend-dynamisch, vertrackter, aggressiver, mit stetig ansteigender Vehemenz. Auf dem Höhepunkt zittern Metall und Fell vor jedem Schlag und erwarten ihn doch sehnsüchtig; die Bassdrum wummert auf der Eins. Alles klingt und scheppert mit, ohne dass die Charakteristik des Stückes den dröhnenden Bach runter geht. Herrlich. Ähnlich legte sich Caspar van Meel auf seinem Kontrabass im Stück “Entfernung” ins Zeug. Wunderbar zu hören, was aus einem dicken Bass herauszuholen ist. Doch auch hier spielte Aristoteles mit: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ein stimmiges und harmonisches Konzert der gesamten Band. “Ride On” - “Weiter so!”
[Fotos: Nico Hertgen] Info: www.charlotteortmann.de
“Songs of Love Lost” - Lieder verlorener Liebe enthält dem Titel nach dieses Album des (Big-)Bandleaders Ed Partyka. Die Namen der einzelnen Stücke passen wie die Tränen zum Liebeskummer: Erst ist die Frau in Schwierigkeiten, und zwar viel zu schnell. Danach gibt’s statt trauter Zweisamkeit nur noch einsame Gedanken, dann herrscht Schweigen. Aber aus dem Kopf geht die Liebe doch nicht raus; die Seufzer über die “one and only” Liebe werden lauter, und schließlich hat der Mann den Ärger. Ed Partyka scheint es zu wissen. Der Bassposaunist, Tubist, Komponist, Arrangeur erblickte das Licht 1967 in Chicago. So manche (musikalische) Stationen hat er bereits passiert. Seit 2006 lehrt er als Professor für Jazz Theorie, Komposition und Arrangement in Graz. Er spielte in jeder Menge renommierter Bigbands und Ensembles.







