Fragen sind die Nahrung der Neugier, Rätsel halten die Spannung. Alles das gab es zuhauf in der Premiere von Dürrenmatts “Der Besuch der alten Dame” der Wuppertaler Bühnen. Und noch viel mehr: In der Inszenierung von Sybille Fabian fand sich absurde Lächerlichkeit und zutiefst bewegende Tragik zum Stelldichein.
Ganz im Sinne einer “tragischen Komödie” - Lachen und Weinen vereint, Tod und Trubel nebeneinander auf einer Stufe.
Auf der Bühne des Teo Otto Theaters rollte ein multidimensionales Geschehen ab: Im Raume expressiver Bühnenbilder gesellten sich zu wummernden, verzerrten Elektro-Tönen menschliches Schreien, zuckende, roboterhaft agierende Körper in extremer Kleidung, aufgerissene, lautlose Münder und überzeichnete Figuren. Ein Theaterstück nicht nur der Worte. Und auch nicht nur der Handlung. Zusammen mit der Kulisse überfiel eine kompakte, expressionistische Darstellung mit allen Höhen von Klarheit und Verständnis und allen Tiefen von Wirrwarr und Clownerie die Zuhörer. Die Charaktere auf der Bühne waren keine. Es waren flache, wie aus einer Sperrholzplatte ausgesägte Gestalten. Sie stellten beabsichtigt nur menschliche Typen dar: den Lehrer, den Pfarrer, den Bürgermeister, den Polizisten. So, wie in uns allen Grundformen von Verhaltensweisen stecken. Damit natürlich auch in den Zuschauern. Jung und Alt, Frau und Mann gleichermaßen vertreten. Der Saal bot anfangs ein sehr gut besuchtes Bild, im Laufe der zwei Stunden lichteten sich die Reihen ein wenig. Angesichts eines radikal und kompromisslos umgesetzten Bühnenstücks verständlich.
Gerechtigkeit für alle?
Geht es im Stück doch sehr viel um Gerechtigkeit. Und die bestimmen wir Menschen am liebsten immer noch für uns selbst. Es ist unser gutes Recht, einer Aufführung beizuwohnen und wieder vorzeitig zu verlassen, sie zu bejubeln oder auch zu verschmähen. Doch wie sieht’s aus, wenn die eigene Gerechtigkeit zum Maßstab für andere werden soll? Nichts anderes passiert in Dürrenmatts Stück: Die “alte Dame”, die nach 45 Jahre ihre Heimatstadt Güllen besucht, sinnt auf Rache. Sie wurde als 17-Jährige von Alfred Ill geschwängert und mithilfe gedungener Zeugen mit Schimpf und Schande aus der Stadt vertrieben. Ihr Kind starb, sie musste sich als Prostituierte verdingen, bis sie den reichsten Mann der Welt heiratete. Als seine Witwe und damit reichste Frau der Welt kommt sie zurück nach Güllen und will ihre Gerechtigkeit: den Tod ihres einstigen Geliebten für die Sanierung der insolventen, dahinsiechenden Stadt mit einer Milliarde. Alfred Ill soll sterben. Das Entsetzen der Bewohner weicht mit der Zeit; zum Schluss entscheiden sich alle, in einer Stadt “mit Gerechtigkeit zu wohnen”. Alfred III wird ermordet.
Kein frenetischer Beifall
Die Interpretationen, die Dürrenmatts Text bietet, sind mannigfaltig. Sybille Fabian kostete sie zusammen mit Herbert Neubecker (Bühne) und Frauke Menzinger (Kostüme) bis zur Neige aus. Jede Szene bot eine Eindrucksgewalt, der sich vermutlich niemand entziehen konnte. Der Klamauk zwischendrin löste Entsetzen und Spannung auf. Manche Rätsel blieben im Dunkeln. Das gesamte Ensemble spielte grandios. Der Beifall war alles andere als artig, stieg allerdings auch nicht in frenetische Höhen auf.
[Foto: Wuppertaler Bühnen - U.Stratmann]



Eine klassisch ausgebildete Sängerin? Mit leichter Wuschelmähne, blitzenden, wachen Augen, der Andeutung von Wangengrübchen und das herzerfrischende Lachen eines Menschen, der mitten im Leben steht - so sitzt sie da bei Kamillentee (”gut für die Stimme”), spielt mit einem Brillenetui und erzählt und erzählt und erzählt.

“Songs of Love Lost” - Lieder verlorener Liebe enthält dem Titel nach dieses Album des (Big-)Bandleaders Ed Partyka. Die Namen der einzelnen Stücke passen wie die Tränen zum Liebeskummer: Erst ist die Frau in Schwierigkeiten, und zwar viel zu schnell. Danach gibt’s statt trauter Zweisamkeit nur noch einsame Gedanken, dann herrscht Schweigen. Aber aus dem Kopf geht die Liebe doch nicht raus; die Seufzer über die “one and only” Liebe werden lauter, und schließlich hat der Mann den Ärger. Ed Partyka scheint es zu wissen. Der Bassposaunist, Tubist, Komponist, Arrangeur erblickte das Licht 1967 in Chicago. So manche (musikalische) Stationen hat er bereits passiert. Seit 2006 lehrt er als Professor für Jazz Theorie, Komposition und Arrangement in Graz. Er spielte in jeder Menge renommierter Bigbands und Ensembles.