Komiker Mathias Tretter proklamiert die Partei der Atheisten

Beißende Gags überraschen

Der Kabarettist Mathias Tretter besitzt ein Schandmaul. Sogar ein sehr böses. Er trägt es mitten im Gesicht. Und damit das jeder weiß und merkt, stechen seine mit brüllend rotem Lippenstift geschminkten Lästerlippen hervor wie feuerrote Chilischoten: Gleich beißt er.
mathias tretter-pop-170420-418 von Stefan StarkUnd wahrlich, Tretter tritt gezielt in jedes Fettnäpfchen. Sein unverschämter Spott ist zynisch, sarkastisch, respektlos, böse, hinterhältig, verschmitzt und verrucht zweideutig. Er entlarvt, verhöhnt und lästert. Seine Gags zünden oft durch demaskierende Überraschung. Das so erzeugte Lachen befreit. Wenn er etwa über den gegenwärtigen Trend zur Gleichgültigkeitstoleranz vom Leder zieht. „Vor 15 Jahren durfte man nicht sagen: ‚Ich bin schwul‘. Das hieß dann: ‚Ich bin Priester‘“. Heute wolle niemand mehr Spießer sein. Alle seien nur noch „tolerante Elektromobilitäts-Inklusions-Windkraft-Veganer“.
Schimpfworte halten Einzug in den normalen Sprachgebrauch. Er erzählt von einer „Party im Asylantenheim“ mit „phantastischem Fidschi-Essen und Mohrenkopf-Torte, Ölaugen-DJ mit Negermusik, Schlampen auf der Tanzfläche, an der Bar Theken-Bitch und Popo-Schlumpf, der seit Jahren eine Ossi-Trulla über den Rettich zieht, die jetzt was mit einem Bimbo hat.“ Am Ende landet er „voll wie eine schwangere Russin nach einem Besuch im Mullah-Grill mit dem Gesicht in der Kanakenschnitte (Döner)“: „Wenn wir alle so reden, gibt‘s bald keine Beleidigungen mehr.“
Tretter zur Seite steht sein fränkisches (mit rollendem „R“ und weichem „P“) Alter Ego Ansgar(46), promovierter Philosoph und spöttischer „Facility Manager“ (Hausmeister) an der Uni in Duisburg, der jeden Morgen seine Putzfrauenkolonne aus „drei Syrerinnen, einer Afghanerin, einer Irakerin und einem schwulen Sudanesen“ zur „ethnischen Säuberung“ begrüßt. Mit ihm lässt Tretter eine alte Tradition wieder aufleben: Das Gaffen aus dem Fenster, heute „Windowing“ genannt: „Täglich mehrere Stunden im Erdgeschoss eines städtischen Mietshauses am Fenstersims sitzend im Unterhemd oder Kittel, mit in den Oberarm gestanzter Pockenimpfungsnarbe wie ein drittes Auge auf einem Daunenkissen unter den arthritischen Ellbogen und den nachlassenden Bizeps als blasses Bindegewebsrisotto auf dem Frotteebezug verteilt.“ Donnerwetter: Was für ein Bild!
Andere verblöden vor dem Bildschirm, wir vor der Realität“, sagt Tretter. Nicht mehr „WWW – Word Wide Web sondern DDD – Doppelripp-Daunenkissen-Dosenbier“. Ansgar gründet eine neue populistische Partei: rechts von der AfD in der Finanzpolitik und links von den Grünen in der Flüchtlingsfrage. „Pop“ heißt die Partei. Das steht für „Politik ohne Parteiengetue – partizipativ, promiskuitiv, pro-europäisch.“ Ihr Parteiprogramm: Aufbau einer „säkularisierten Republik – radikal islamophob, zutiefst antichristlich und absolut judenskeptisch“. Nur Atheisten seien friedliebend, sie wollen keine Welt verbessern. Damit geht Ansgar auf Stimmenfang.
Dann hoffen wir mal auf eine neue „Pop-Kultur“.
[Foto: Stefan Stark]

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