„Mord bis der Arzt kommt“ – Blödelkomödie bis zum Abwinken

So blöd, dass es schon wieder richtig gut ist.

Sascha Gutzeit alias Kommissar Heinz Engelmann alias Undercover-Ermittler Dr. Engelbert Heinzmann alias „Der Dreigroschenopa“ alias Chefarzt Prof. Klaus Jürgen alias Polizeibeamtin Liesel Weppen alias Oberschwester Hilde alias Krankenschwester Esther alias Kommissar Jaques Pernod – fehlen in dieser Aufzählung vielleicht noch ein paar Charaktere aus dem Schauspiel alias Live-Hörspiel alias Krimikabarett alias Musical alias Kasperletheater alias Comedy alias Arztserie alias Tatort-Film „Mord bis der Arzt kommt“ im Filmeck-Theater in Wermelskirchen? Vielleicht „Amnesistin Eva Gessen“ oder der „Rocksänger Rotz Tewart“. Egal, alle – wirklich alle – Rollen wurden eh von ein und derselben Person gespielt: Autor Sascha Gutzeit.
Sascha Gutzeit-Mord bis der Arzt kommtNicht nur eine komödiantische und schauspielerische Meisterleistung – Gutzeit hatte während des gesamten Stückes keine einzige Ruhepause. Temporeiche Wechsel von einer Figur zur anderen bestimmten die Handlung. Natürlich konnte sich Gutzeit nur mit minimalen Accessoires vom Kommissar zur Oberschwester und zurück zum Chefarzt und dann wieder in den Krankenhauspatienten verwandeln. Aber das gelang ihm mühelos. Das gesamte Stück, durchsetzt mit TV-Werbung der 70er und 80er Jahre, war derart grenzenlos lustig, abstrus blödelhaft und kreativ komisch, dass das Denken bei den Besuchern sich erübrigte. Spaß regierte. Die Schmunzelfalten hatten sich vom Anfang bis zum Ende in allen Gesichtern der Besucher eingegraben. Spontane Lacher zeigten nicht das befreiende Lachen, das einer Überraschung folgt, sondern den Gedanken: „Wie kann man nur auf einen solchen (höheren) Blödsinn kommen?“
Der komplette Inhalt kann hier nicht – da Krimihandlung – verraten werden. Es geht los, dass Liesel während einer Observierung sechs Mal angeschossen wird und im Krankenhaus des Prof. Klaus Jürgen landet. Der Professor trägt einen gigantischen Vorbiss, findet sich deshalb für unwiderstehlich und besingt sich selbst als „reich und schön“. Klar, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat. Wie im Übrigen alle anderen Figuren auch. Für Dialoge stellte sich Gutzeit eine lebensgroße Holzfigur mit seinem Konterfei zur Seite, die er schnell zur jeweils benötigten Figur aufmöbeln konnte. Deren Sätze kamen aus der Konserve. Gutzeit musste höllisch aufpassen, um sich damit zu synchronisieren. Es gelang tadellos.
Und manchmal gab sogar Vorleser Horst Naumann, bekannt aus der TV-Schwarzwaldklinik, aus dem Off seine Kommentare ab. Wie auch Sascha Gutzeit: selbst „Diese Figur kommt mir bekannt vor – ach so, die spiele ich ja auch.“ In der Zugabe befreite Kommissar Engelmann dann noch seine Gehilfin Liesel aus der „Ärztekammer“. Ende gut – Lachen gut.
[Foto: Sascha Gutzeit]

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