Realipätztheorie – Axel Pätz bringt die graue Theorie des Alltagsgrauens

Der Tastenkabarettist lieferte in der Wermelskirchener Kattwinkelschen Fabrik eine physikalisch-philosophische Parforcejagd über Stock und Stein des Lebens

Die größtrealipaetztheorie 1e Katastrophe ist für Axel Pätz, wenn sein Handy ins Klo fällt. Dann läuft für den Tastenkabarettisten nichts mehr: Sogar die Unterhaltung am Frühstückstisch der Familie erstirbt mangels Whatsapp. Und während das Smartphone während des Trocknens in einer Schale Reis seine letzten subatomaren Teilchen aushaucht, kommt so ein Typ wie Pätz schon mal ins Denken: Ist das gegenwärtige Endprodukt einer jahrmilliardenlangen Evolution das Handy im Klo und Trump auf den Thron? Gibt es einen roten Faden quer durch die Geschichte neben der obligatorischen Blutspur? Ja, Pätz hat ihn nicht nur entdeckt, sondern auch formuliert – in der „Realipätztheorie“.
Dieses Gedankenmonster eines vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums aus Einsteinscher Allgemeiner Relativitätstheorie und ein paar Quadratwurzeln als Stolperfallen sei selbstredend nicht leicht zu begreifen, sagt Pätz. Nur solche Superhirne wie seines und das von Stephen Hawkins vermögen es. Gleichwohl stieg er vom pechschwarzen Komikolymp herab und begann, dieses Mysterium von Mensch und Natur sowie Mensch und Zeit seinen aufmerksamen Jüngern in der Katt – sie hießen alle Gerd oder Andrea – zu verdeutlichen. Die Erde ist eine faule Sau, behauptete er und bewies es zynisch: Der Mensch muss alle wilden Tiere ausrotten, da gemeingefährlich, und auch die Hennen in den Legebatterien selbst schreddern, weil die Erde dazu nicht in der Lage ist. Sogar die Urlaubsinseln aus Plastik muss sich der Mensch selber bauen.
Dabei legte sich Pätz ins Zeug – Klavier, Akkordeon, Gesang, Sprache – wie kein Zweiter. Garniert mit Mimik und Körpersprache, die einem das Fürchten lehren konnte: Stechend ironischer Blick wie der leibhaftige Gitarrist der Rolling Stones Keith Richard, kindlich-schnippische, zuweilen aufklaffende Grübchenfalten, schiefes, diebisches Grinsen, widerspenstiges, wirres Haar. Er haute als brillanter Pianist grollend und doch zielgerichtet auf die Tasten, sang dazu mit beschwörenden, aber auch dämonisch-sarkastischen Lauten und suhlte sich als sinnierender Alltagsphilosoph im Sessel („das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, was man lässt“). Derart entwarf er anhand einer monströsen Kaffeemaschine das „Zeit-Raum-Axeliom“ („Es kostet viel Zeit, Zeit zu sparen“) und besang anhand eines Rollatoren-Benutzers im Stil des Tauben vergiftenden Georg Kreisler seine praktische Anwendung: „Weil ich Zeit verlier, wenn ich navigier‘, brems ich nicht für Tier‘.“
Zuweilen schien Axel Pätz direkt der dadaistischen Komikabteilung von Absurdistan entsprungen zu sein. Die Essenz seiner Realipätztheorie klang dagegen ganz vernünftig: Die Krone der Schöpfung ist das Provisorium. Damit konnten die Besucher zufrieden nach Hause gehen.
[Pressefoto: Axel Pätz]

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