Haydns „Schöpfung“ mit delikater Finesse und expressiver Wucht

Die Kantorei Wermelskirchen zeigte mit der „Schöpfung“ von Joseph Haydn wieder einmal, was sie drauf hat.

„Die Schöpfung“ ist Joseph Haydns (1732–1809) berühmtestes Oratorium. Den epochalen biblischen Schöpfungsbericht in Musik zu fassen ist eine heroische Aufgabe. Und dieses Oratorium aufzuführen ebenso.
Nicht zuletzt hatten die Organisatoren dieses Werk Haydns mit in das Eröffnungsfestival der Elbphilharmonie aufgenommen.
Die-Schöpfung-Plakat-red

Haydn hat ein bahnbrechendes Werk komponiert. Die Kantorei Wermelskirchen unter der Gesamtleitung von Kantor Andreas Pumpa stellte sich dieser Herausforderung und lieferte zusammen mit den Solisten Eva Budde (Sopran), Florian Feth (Tenor) und Thilo Dahlmann (Bass) sowie dem Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln eine erstklassige Aufführung ab. Sie genügte sehr hohen Ansprüchen. „Die Kölner Philharmonie steht heute in Wermelskirchen“, sagte eine begeisterte Besucherin.

So transparent, wie Haydn die Musik komponiert hatte, kam sie auch bei den Zuhörern im vollen Kirchenschiff an: Die Musik interpretiert den Text. Wer im vorbildlich gestalteten Programmheft das musikalische Geschehen aufgrund des abgedruckten Librettos verfolgte, den erreichten die komponierten Lautmalereien mit delikater Finesse und expressiver Wucht.
„Und es ward Licht.“ Die Musik zu diesem für Gottes Schöpfungswerk entscheidenden Bibelwort stand wie ein Fanal mit atemberaubender Klarheit in Lautstärke und Intensität über dem Konzert. Da konnte so manchem zartfühlenden Besucher der Flaum auf den Armen senkrecht stehen.

„Stimmt an die Saiten … Lasst euren Lobgesang erschallen“, sang ein wenig später der Chor und der Boden unter den Füßen schien zu beben. Dafür gibt es nur ein Wort: imposant. Dieses Konzert forderte Ergriffenheit und Empathie. Die gesamte Kirche klang, als sei sie dankbar, ein Teil dieser Aufführung zu sein.
Die Schöpfung wandelt das anfänglichen Chaos Schritt für Schritt zu Ordnung und Schönheit. Es war eine Freude, das musikalisch miterleben zu können. Daran hatte natürlich jede(r) Mitwirkende Anteil. Dahlmann führte den Bass „leise rauschend“ und gleitend, sanft und stimmgewaltig „im tiefen Tal“. Feth ließ „Liebe, Glück und Wonne“ beschwingt den freien Lauf und verströmte „reine Harmonie“. Budde ließ „das zarte Taubenpaar“ in den brillantesten Tönen „Liebe girren“. Die Klänge des Neuen Rheinischen Kammerorchesters, des Chores und der Solisten konnten jedem – wenn er sich darauf einließ – sein eigenes persönliches, ehrfurchtgebietendes Schöpfungs-Erlebnis liefern. Und die Leute ließen sich darauf ein. Das zeigte der minutenlange Beifall mit Standing Ovations. Ein epochales Werk wurde hier in Wermelskirchen epochal aufgeführt.
[Bild: Kantorei Wermelskirchen]

[Dieser Artikel erschien leicht gekürzt in der Bergischen Morgenpost Wermelskirchen am Dienstag, 27. Juni 2017]

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