Pia Sabeth Rossow reist mit ihrer Gitarre durch die Zeit

Mit einem eindrucksvollen Gitarrenkonzert startet die junge Gitarristin in den Frühling

Eine Zeitreise mit der Gitarre: Raumschiff oder Postkutsche? Es geht quer durch Klassik und Romantik bis zur Moderne. Also Postkutsche – wir brauchen Zeit und Achtsamkeit. Die Töne, Melodien, Linien, Akkorde und Arpeggien, die Pia Sabeth Rossow hervorzaubert, sind es wert. Sie wirken nach. Die junge Gitarristin hat es verdient, ihr in Ruhe zuzuhören. Mit ihren 21 Jahren legt sie eine beachtenswerte Professionalität auf die Saiten. Die mehrfache Preisträgerin „Jugend Musiziert“ studiert derzeit Gitarre an der Hochschule Franz Liszt Weimar. Sie startet mit einer Romanze von Johann Kaspar Mertz (1806 – 1856). Für dieses Konzert im Haus der Begegnung in Wermelskirchen genau das Richtige.
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Der Teppich, den sie mit diesem Wohlfühlklang ausbreitet, liefert den samtigen Stoff für die Klassik: Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) Suite BWV 995. Der nachdenklichen Sarabande folgen ihre flitzenden Finger in den lebhaften tänzerischen Gavotte I+II. Gehört Rossows stille Liebe der Romantik? Sie landet dort nämlich wieder und weckt den Italiener in uns: Caprice Nr. 2 und Nr. 7 von Luigi Legnani (1790 – 1877) klingen frisch, glänzend artikuliert und phantasievoll. Und dann erst dieses Liebeslied des feurigen Gitarrenvirtuosen aus Südamerika Augustin Barrios-Mangoré (1885 – 1944)! So, wie es Rossow spielt, müsste es der Traum jeder Frau sein, sein Stück „Júlia Florida“ auf den Leib geschrieben zu bekommen.
Nach einem kurzen, aber intensiven Zwischenstopp mit dominierender rechten Hand bei der Etüde Nr. 1 des Impressionisten Heitor Villa-Lobos (1887 – 1959) aus Brasilien folgt der krönende Abschluss dieses beachtenswerten Konzertes mit Mauro Giuliani (1781 – 1829) und seiner Rossiniana Nr. 2. Pia Rossow spielt wie von der Leine gelassen: frei, locker, abwechselnd zart und vehement. Sie hat Mut zur Farbe, stellenweise zeigt sie augenzwinkernd freches Spiel. Die musikalischen Themen werden klar und deutlich – die Zuhörer im proppenvollen Raum kommen voll auf ihre Kosten. Sie reagieren begeistert und überschütten Pia Rossow mit Beifall. Viele wünschen ihr anschließend die Fortsetzung einer hoffnungsvollen musikalischen Karriere.

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