Jazz as Jazz Can – Ehringhausen swingt

Das Frank Roberscheuten Quartett brachte die Besucher im „Swinging Ehringhausen“ ins Schwärmen

 

DSC 0026-kleinWeich, warm, fast samtig kommt das Tenorsaxofon daher. Eine „Slow Ballad“ zieht die Leute in der prallvollen Hausbrauerei Wirtschaft Richard Becker in Remscheid-Ehringhausen in ihren Bann. Frank Roberscheuten streichelt beinahe sein Instrument mit den Lippen, die Augen der Damen beginnen zu glänzen, die Herren lehnen sich genießerisch zurück. Dann ergreift Pianist Rossano Sportiello die Initiative, seine quirligen Läufe schmiegen sich zunächst an die Sax-Melodie wie eine verführerische Schlange, dann wird sein Anschlag härter, das Tempo zieht an, der Schlagzeuger Frits Landesbergen wechselt von Besen zu Stöcken, und Bassist Ingmar Heller greift kräftiger in die Saiten: Ganz subtil und schleichend wachsen Dynamik und Spannung. Sie lassen den Atem stocken. Die Gäste sind fasziniert.
Dabei war es von vornherein klar, dass mit dem „Frank Roberscheuten Quartett“ die Jazzreihe „Swinging Ehringhausen“ wieder einmal einen jazzigen Zenit erreichen würde. Bis auf Frits Landesbergen spielen alte Bekannte in Ehrenfeld – alles Jazzmusiker internationalen Formats. Und auch Landesbergen passte zu den anderen wie das vierte Rad zum Fahrgestell. Damit war wieder musikalisch alles vertreten, was diesen „traditional“ Jazz in Ehringhausen – manche nennen ihn „Swing“ – so anregend auszeichnet: Rhythmischer Drive, der nie sein Ende zu finden scheint; Melodien, die irgendwie jeder kennt und doch die Atmosphäre mit ganz persönlichen Noten inspirieren; Soli, die die Melodien umschmeicheln und nicht zerfleddern und stets das traumhafte Zusammenspiel des Quartetts – immer noch ein bisschen mehr Kreativität und immer noch ein wenig höher, schneller, weiter: intensiver Jazz zum Träumen, Mit-Gehen, Mit-Schwelgen. Diese Verbindung von Tradition und Moderne klingt auf der Höhe der Zeit, auch wenn teilweise (ur)alte Standards die Basis bilden.DSC 0066-klein
Die erste Hälfte des Konzertes widmete Roberscheuten mit der Vorstellung seiner neuen CD „Jazz Tales“ seinen Musikerkollegen, mit denen er unzählige Male die Fans begeistert hatte, darunter Gitarrist Rolf Marx, Schlagzeuger Oliver Mewes und den „King of Swing“ aus Burscheid, Engelbert Wrobel (Saxofon, Klarinette). In der zweiten Hälfte kamen persönliche Vorlieben des Veranstalters Peter Bornemann zur Geltung. Ganz zur Freude der Gäste: Es ging alles auch nach ihrem Geschmack. Heraus kamen musikalische Leckerbissen nicht nur für Jazzpuristen. Alle Zuhörer reagierten begeistert. Sie ließen Messer und Gabeln fallen und lauschten. Anfeuerungsrufe während fulminanter Soli machten die Runde. Der Jazz regierte: Jazz as Jazz Can.

1 Kommentar


  1. Der Bericht spiegelt in jeder Beziehung die hohe Qualität des Konzertes und der Musiker wieder. Er ist mit viel Sachverstand und dem
    nötigen feeling geschrieben.
    Aber das bin ich von Herrn Geisler, der meine Konzertreihe viele Jahre begleitet hat, auch nicht anders gewohnt.
    Ich zitiere Walter Cronkite „That’s the way it is“.

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