Blues auf Italienisch mit Franco Morone

Stilistische Gitarrenvielfalt des Italieners

Wenn ein Blues angekündigt wird, der „When I Lost You“ (Als ich dich verlor) heißt, dann nicken die Zuhörer bereits allwissend: Wie sollte ein Blues auch sonst heißen? Die gewohnte Grundstimmung des Blues ist Melancholie. Wenn aber ein Italiener Blues auf der Gitarre zupft, dann muss das nicht gelten. Der italienische Fingerstyle-Akrobat auf der Gitarre, Franco Morone, begann sein Konzert im Lenneper Gitarrenzentrum mit diesem2015gitarrenzentrum1halb-klein selbst geschriebenen Blues. Und das klang alles andere als traurig. Natürlich war sein Spiel im zwölftaktigen Bluesschema eingebettet, aber hier feierten durchaus fröhliche und lauschige Gitarrenriffs ein trautes Stelldichein. Vielleicht war er ja tatsächlich froh gestimmt damals, nachdem er wieder alleine war. Wer weiß? Oder der Italiener an sich bläst lieber Frohsinn statt Trübsal? Das ist bei Morone durchaus denkbar. Sein Blues jedenfalls – und auch die anderen, die noch folgten – klangen angenehm anderes.
Morone ist auf der Akustikgitarre eh mit allen Wassern gewaschen. Er ist im Folk zuhause – italienisch und keltisch irisch -, greift sich zwischendurch umfangreiche Jazz-Akkorde, feiert nach vorheriger Ankündigung mit seinen „Tributes“ die amerikanischen Folk-Gitarristen Ry Cooder oder sogar den Clapton-Inspirator J. J. Cale und lässt eben auch seinen (italienischen) Blues-Variationen freien Lauf. Oft scheint es, es säße er nicht alleine auf der Bühne. Er zupft durchgehenden Bass zu vollem Akkordspiel mit eingeworfenen Melodien – zusammen klingt es mindestens wie ein harmonisches Gitarren-Duo. Und alles kommt mit Leichtigkeit locker-flockig rüber – ganz der Italiener eben.
2015gitarrenzentrum2halb-kleinOffensichtlich muss es im ersten Teil des Konzertes Gitarrist und Gitarrenzentrum-Betreiber Kai Heumann in den Fingern gejuckt haben. Nach der Pause enterte er zusammen mit Morone die Bühne und die beiden improvisierten einen jazzigen Blues mit abwechselndem Solo-Teil. Jeder kam mal an die Reihe. Es hätte so unendlich weitergehen können, aber Morone trat auf die Bremse. Hielt er doch noch ein überraschendes Schmankerl parat: seine Gesangspartnerin Raffaella Luna.
Die Italienerin sang einen „Shepherd’s Dance“ (Tanz eines Schafhirten) aus der Zeit Napoleons und Morone zupfte dazu mit großer Leidenschaft und Authentizität Begleitung und Melodie, die er durch seine Phrasierungstechnik zum Tanz(en) brachte. Die beiden sind ein eingespieltes Team – sie passte sich seiner Spielweise an und er ihrem Gesang. Nach anderthalb Stunden rein instrumentales Gitarrenspiel freuten sich Herz und Ohren über diese gelungene Abwechslung. Mit den jazzigen Grooves „Mercey, Mercey“ und „Summertime“ ließ danach Morone dieses Wohlfühlkonzert allmählich auslaufen. Und die Stimmung am Ende? Typisch italienisch.

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