“Ein Deutsches Requiem” – ein grandioses Konzert der Kantorei Wermelskirchen

Wären Johannes Brahms und Clara Schumann dabei gewesen – sie hätten Händchen gehalten.

Die Evangelische Stadtkirche voll, die Atmosphäre würdevoll, die Stimmung ruhig, die Erwartungen hoch. Jeden, der am Sonntagnachmittag, 9. November 2014, kurz vor Beginn des Konzertes die Kirche betrat, schlug dieser Eindruck in seinen Bann. Die Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde hatte eingeladen zum „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Vorne stand ein rund 80-köpfiger Projektchor der Kantorei mit Gästen, davor saß „Das neue Rheinische Kammerorchester Köln“, am Dirigentenpult stand Kantor Andreas Pumpa und in der ersten Reihe hatten die beiden Solisten Steffanie Patzke, Sopran, und Arndt Schumacher, Bariton, Platz genommen.
Das, was dann über das Publikum hereinbrach, begann arglos plätschernd, aber schon mit Biss, wie die zurückweichenden Wellen einer heranrollenden Flut – „Selig sind, die da Leid tragen“. Wehe dem, der sich eisern auf Trauer tragende Töne einlassen wollte! Brahms ging Evangelische Kantorei führt Deutsches Requiem von Johannes Bach-verkleinertoffensichtlich nicht nur Tod und Elend beim Komponieren dieses Requiems (Kirchenmusik zum Totengedenken) durch den Kopf. Lebhafte Melodien, Rhythmus- und Stimmungswechsel kommen auch vor. Es geht zu wie im Leben selbst – mal auf, mal ab, mal düster, mal mit Lichtblick, dann wieder stürmisch mit Schwenk ins ruhige Fahrwasser. Und am Ende siegen Hoffnung und Leben über den Tod. Letztendlich ist es die Musik einer gute Botschaft. Aber zwischendurch wird es heftig.
Gesamtleiter Andreas Pumpa ließ sich auf alle Spannungen ein. Es kam alles klar und transparent zur Geltung, was Brahms darin versteckt hatte. Das Orchester brillierte mit einem ausgewogenen, stets präsenten Ton. Dank Pumpas unaufgeregtem Dirigat standen Chor und Orchester im Einklang. Der Chor blieb stets gut hörbar, alle Stimmen, auch der Bass, gingen nicht in der Orchestermusik unter. Die Tempi waren dem Chor angemessen – straffer hätten sie allerdings nicht sein dürfen. Die Spannungsbögen verloren sich nicht in den vielen Wiederholungen. Die Texte blieben dem eifrigen Mitleser im Programmheft verständlich. Der angedeutete Marsch im 2. Satz gelang, ohne dass der gebotene Ernst flöten ging. Im 4. Satz „Wie lieblich sind Deine Wohnungen“ kam eine geradezu friedvolle Stimmung auf – Romantik pur schien sich für einen Moment breitzumachen. Der helle, ergreifende Bariton Schumachers besonders im 6. Satz passte zu Pumpas Musikverständnis: weg von bodenloser Trauer hin zum hoffnungsvollen Leben. Steffanie Patzkes glanzvolles Solo im 5. Satz „… habe großen Trost empfunden“ konnte Gänsehaut erzeugen.
„Dass sie ruhen von ihrer Arbeit“, heißt es am Ende dieses Requiems. Die Ruhe danach hatten sich alle Akteure hoch verdient. Jeder, der konnte, spendete begeistert Standing Ovations.
Foto: Jürgen Moll. Dieser Text erschien ähnlich in der Bergischen Morgenpost Wermelskirchen.

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