Satin Doll Quintett spielt Cool Jazz am heißen Sommerabend

An einem heißen Sommerabend fetziger Jazz? Das kann ins (schweißnasse) Auge gehen. Nicht so bei der Jazz Session am Donnerstag im Bistro Katt in Wermelskirchen. Es gab genau das, was das Herz begehrt: Bier, Wasser oder Wein – kühl und frisch; Bratwurst – heiß und würzig; Jazz – cool und anregend. Das Wermelskirchener „Satin Doll Quintett“ sorgte mit anschmiegsamen Melodien, kreativen, harmonischen Seitensprüngen sowie einschmeichelnden „Laid back“-Rhythmen nicht nur für einen auf breiter Basis gelungenen jazzigen Abend auf sehr hohem Niveau, sondern verbreitete auch ganz nebenbei heitere Gelassenheit im Bistro und im Biergarten davor. Das kann so nicht alle Tage in Wermelskirchen erlebt werden: cool! Wobei dieses neudeutsche Wort nicht auf die Lufttemperatur zu beziehen ist.

Jazz mit angelegter, langer Leine

Satin Doll-IMG 2666-klein„Wir nehmen uns im Gegensatz zu früher ein wenig zurück“, sagte augenzwinkernd Pianist Stefan (Willi) Wintgen in seiner Begrüßung. Nicht heiße Bebop-Solos sollten den Abend bestreiten, sondern passend zum Wetter und zum Alter der Band Cool-Jazziges. Die Band habe sich quasi neu erfunden: Der Cool Jazz der 50er und 60er Jahre beherrsche jetzt die Arrangements: „Reifer, ruhiger und souveräner im Stil, raffinierter und konzertanter in den Arrangements, aber unverändert im treibenden Groove.“ Was das bedeutet, konnten alle Zuhörer – die wenigen hitzebeständigen Jazz-Fans im Bistro sowie die Sommerabend-Genießer draußen vor der Tür – sogleich erfahren. „Yesterdays“, dieses von Jerome Kern in den 1930ern geschriebene Stück, ist ruhig angelegt, Satin Doll präsentierte es mit angelegter Leine, die ziemlich lang war: Wintgen lieferte wieselflinke Tastenarbeit, Helmut Münscher an der Trompete sorgte für markante Melodien, Manfred Bucher legte ein beruhigendes, gleichwohl abwechslungsreiches Fundament der tiefen Kontrabasstöne, Michael Regenbrecht zog unaufdringliche, aber „coole“ Saiten mit dicht verschmelzende Linien auf, und Ruppe Fuchs‘ Besen und Stöcke kontrollierten Tempi, Takt und Rhythmen unerschütterlich mit dem Gefühl für die richtige Atmosphäre.

Die reine Lebensfreude

Da kam Freude auf. Jochen Kett, selbst Jazzer am Piano, war des Lobes voll. Er war extra aus Köln angereist, um „diesen Jazz auf sehr hohem Niveau“ zu erleben. Er bewunderte die Steigerung der Band und ihre ausgefeilten Arrangements, die ihrer Musik „die Würze“ gaben. Die Band selbst war auch höchst zufrieden. Schlagzeuger Ruppe Fuchs fühlte sich vom fachkundigen Publikum angeregt: „Die Leute waren gut drauf; sie gingen mit.“ Kein Wunder, strahlte Satin Doll doch während des gesamten Konzertes das aus, was Helmut Münscher nach der Zugabe über „Samba de Orfeo“ begeistert anmerkte: „Die reine Lebensfreude.“[Foto: Diethard Fuchs]

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*