Musik aus Myanmar – ein Geheimnis für westliche Ohren

Faszinierend – ein Ausdruck für ein ganzes Konzert. Das Publikum im Remscheider Teo Otto Theater reagierte nach dem Auftritt des Aye Su Kyaw Trio aus Myanmar (auch Birma oder Burma) interessiert. Ein Zeichen dafür, dass das Repertoire des Trios zwar nicht den Kopf erreicht, dafür aber um so mehr mit seinem fernöstlichen Charme die Gefühle verzaubert hatte. So manche(r) wollte wissen, wie die Töne zustande kamen, die Aye Su Kyaw ihrer birmanischen Bogenharfe Saung Gauk entlockte. Auch die Machart der synchron zur Harfe gestimmten sechs Trommeln interessierte. Pat Waing schlug auf ihnen vollständige Melodien – zum Teil in atemberaubender Geschwindigkeit. Der Dritte im Bunde war Ko Kyaw Myo, zuständig für Rhythmus und Tempo. Er schlug abwechselnd auf einem kleinen Holzklotz und einem noch kleineren Becken.
Aye Su Kyaw IMG 4498 1000Das Lächeln der Aye Su Kyaw
Während des Konzerts waren die Leute aufs Zuhören und Zusehen angewiesen. Die Musiker waren ohne ein einziges gesprochenes Wort auf der Bühne erschienen. Und ohne dasselbe verschwanden sie auch wieder. Keine Ansage, keine Erklärung – nichts. Dafür ein Lächeln. Aye Su Kyaw war vermutlich mit ihrem Lächeln geboren worden. Es war keine Maske, weder aufgesetzt noch eingegraben, es war einfach da. Sie spielte mit diesem Lächeln, riss dabei die Augen auf, schaute ihre Zuhörerschaft an, sang und zupfte – eben faszinierend. Pat Waing trommelte teilweise unisono die für unser Gehör komplizierten Melodien mit. Und wenn er sein anderes Instrument, die Flöte Khlui, blies, dann steigerte sich die Intensität der Harfentöne um ein Vielfaches. Geschwindigkeit und Taktarten variierten mitten im Lied. Zuweilen klang es, als hätte Ko Kyaw Myo daneben geklopft. Mitnichten. Er kehrte nach dem Konzert zurück. Er hatte offensichtlich das Interesse der Zuhörer am Instrumentarium bemerkt und beantwortete Fragen auf Englisch. Natürlich lächelte auch er.
Wie Wind durchs Glockenspiel
Und wie klang die Musik? Schwer zu beschreiben. Am Anfang war es, als fege Wind durch ein aufgehängtes östliches Bambus-Glockenspiel: zufällig klimpernd, mal einzelne Töne, mal alle zusammen, mal heftig, mal zart. Nach einigem Einhören wurden dann Strukturen hörbar – Trommeln und Harfen ergänzten sich, spielten zusammen; der Gesang legte sich darüber wie ein Schleier, als ginge es, ein Geheimnis zu bewahren. Südostasiatische Tempel erschienen vor dem inneren Auge, darinnen anmutige Zeremonien, überall Pracht und Blüten, Sonne und Wärme. So mag es eine begeisterte Dame vor ihrem inneren Auge gesehen haben. „Da will ich hin“, sagte sie.
[Foto: Frank Becker]

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.